Roswitha van der Zander

Biographie, Texte zum Werk

Biographie/Ausstellungen

Roswitha van der Zander
1953 in Viersen geboren
1973 Abitur
1973/74 Studium der Mathematik an der Universität Karlsruhe
1974-79 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei den Professoren Kalinowski, Kindermann, Loth und Akiyama
Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Karlsruhe
1973-84 Studienreisen nach Peru, Bolivien, USA, Ägypten, Spanien, England, Schweden, Kuba
1989 und 1995 Geburten ihrer zwei Söhne
2003 Exkurs in die Mathematik: "Erziehung zum mathematischen Denken" (Sachbuch zur mathematischen Frühförderung), sowie parallel Lernmaterialien für Verlag Dieck

Roswitha van der Zander lebte als freie Künstlerin in Karlsruhe und Düsseldorf, lebt seit 2014 in Neustadt an der Weinstraße.
Veröffentlichungen:
"Roswitha van der Zander"
Arbeiten von 1977-1984
Katalog mit 25 Schwarzweiß-Abbildungen
Selbstverlag, 1984
"Roswitha van der Zander
Plastische Arbeiten und Zeichnungen
1981-1994"
Verlag Murken-Altrogge
Herzogenrath, 1994
ISBN 3-921801-74-5

Einzelausstellungen:
1982 Galerie Görlach, Walldorf
1983 Galerie 2a, Viersen
1989 Haus Flehe, Düsseldorf
1990 Neuer Aachener Kunstverein, Aachen
1995 Kamilianerkrankenhaus Mönchengladbach
1996 FBZ Galerie, Düsseldorf
1996 Städtische Galerie Bad Waldsee

Gruppenausstellungen 1978-2016:
u.a.
Kreismuseum Syke
Künstlerhaus Karlsruhe
Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Villa Engelhardt, Düsseldorf
Städtische Galerie Viersen
Haus Opherdicke, Unna
Frauenmuseum Bonn
Galerie plan.d., Düsseldorf
Galerie d-52., Düsseldorf
Galerie Bienchenhof, Hochstadt
Galerie1, Königswinter
BBK-Kunstforum, Düsseldorf
3. André Evard Kunstpreis, Riegel am Kaiserstuhl (Ausstellung der Nominierten zum Kunstpreis 2013)
Junges Forum Kunst, Siegburg
Kunstverein Neustadt
Herrenhof Neustadt-Mussbach
RAR-Galerie Spijkenisse (Ausstellung der Nominierten zum Kunstpreis der Rosenheim-Stiftung 2016)
u.a.





Aus „Die erotische Dimension der Natur – die Plastiken und Zeichnungen Roswitha van der Zanders“

Unter dem einfachsten thematischen Anspruch versteht es van der Zander, eine hohe Ästhetik und Sinnlichkeit herauszuarbeiten. Wo wir Einzelformen der Natur als gegeben hinnehmen oder sie erst gar nicht wahrnehmen, dort setzt ihr künstlerisches Auge an und fördert unter starker Beteiligung der Phantasie ganz wundersame, eigenwillige, anthropomorphe Formen zutage.
Es scheint so, daß bei der Künstlerin gerade die Zwänge, unter denen sie selbst das menschliche Dasein betrachtet, sie offen machen für Freiräume der Natur. So hat sie sich seit Jahren einen eigenen Kosmos geschaffen, der von der Außenwelt seine Impulse erhält, aber dennoch völlig unabhängig existiert und in sich eine Geschlossenheit beinhaltet. Diese Geschlossenheit und die höchst individuelle, beseelte Sicht auf die Erscheinungen der Natur, wie sie nur der klug forschende, introvertierte Blick erfassen kann, finden in dem klaren und harmonischen Formengefüge ihre adäquate Umsetzung.
Roswitha van der Zanders künstlerisches Werk ist so, wie es sich bis heute präsentiert, von einem ausgesprochen gesellschaftlichen und kulturkritischen Bewusstsein getragen.
Neu ist ihre kritisch differenzierte Sicht als Frau auf den männlichen nackten Körper in der Kunst.
Indem sie variationsreiche, ästhetisch empfundene Analogien zwischen pflanzlichen und menschlichen "Sexualformen" schafft, bereichert sie nicht nur das Spektrum europäischer Plastik, sondern auch die Tradition des Erotischen in der Kunst auf überraschend souveräne Weise.


Dr. Christa Murken


Aus „Betrachtungen zum bildhauerischen Werk“

Das plastische Werk von Roswitha van der Zander, das seit Mitte der siebziger Jahre entstanden ist, geht vom Realen aus, ohne auf subtrahierende und surrealistische Stilelemente zu verzichten.
Dabei gelingt ihr die Entwicklung eines auch im Kleinformat monumental realistischen Stiles, dem Momente des Karikaturhaften, zuweilen auch Zynischen innewohnen.
In der Kunst des ausklingenden 20. Jahrhunderts, in dem sich die Künstler ganz auf die Form konzentriert haben und das Erzählerische in den Hintergrund getreten ist, gewinnen die Plastiken von Roswitha van der Zander in ihrer Sinnbildhaftigkeit einen eigenen Stellenwert. In der künstlerischen Spannweite zwischen dem "großen Realen und dem großen Abstrakten", wie es einmal formuliert wurde, hat sie einen charakteristischen plastischen Stil ausgeprägt.


Dr. Axel Hinrich Murken


Die Textauszüge sind dem Buch des Verlages Murken-Altrogge über Roswitha van der Zanders Werk von 1981 –1994 entnommen ( Band 34 der Studien zur Medizin-, Kunst- und Literaturgeschichte)


Aus „Babylon-Wunder, Wahn und Wirklichkeit“

In meinen bildhauerischen Arbeiten, wie auch beim zeichnerischen Werk, finden sich reale, abstrakte und surreale Elemente, wobei hauptsächlich das Motiv die Richtung vorgibt.
Für die plastischen Arbeiten verwende ich traditionelle bildhauerische Materialien wie Ton, Gips und Holz. Dabei folge ich aber formal und inhaltlich keiner kunstgeschichtlichen Tradition, vielmehr stelle ich diese mit den ersten plastischen Arbeiten, bei denen es sich um Bildnisse von Männern und Frauen handelt, bereits in Frage.
Bei diesen figürlichen Arbeiten liegt der Schwerpunkt auf der Aktdarstellung und hier differiert meine Auffassung in hohem Maße von der Darstellung in der europäischen Kunsttradition. Diese sehe ich geprägt durch eine einseitig männliche Sichtweise, der ich einen neuen, unabhängigen Blick aus weiblicher Perspektive entgegensetze.
Formal steht dabei die Auseinandersetzung mit dem Relief an erster Stelle, wobei ich mit Zwischenformen von Relief und Vollplastik experimentiere.wie z.B.beim Thema „Mann im Bad“.

Von der figürlichen Plastik ausgehend, habe ich zwei Wege der Abstraktion eingeschlagen, den einen, indem ich immer näher auf den Körper zugehe und seine Details zum Thema wähle, den anderen, indem ich weiter zurückgehe und die Figur im Raum betrachte.

Der erste Weg führt von den Körperausschnitten als organischer Form zu organischen Formen im Allgemeinen , wobei sich hier die stärkste Übereinstimmung mit meinen Zeichnungen ergibt, da diese immer organische Objekte als Ausgangsbasis haben.
Auf den Themenbereich des Organischen inklusive des menschlichen Körpers, bezieht sich die Kunsthistorikerin Dr. Christa Murken in „Die erotische Dimension der Natur – die Plastiken und Zeichnungen Roswitha van der Zanders“, wenn sie schreibt: „So lag ihre stilistische Eigenart und Stärke von Anfang an in der sinnlich plastischen Herausarbeitung von menschlichen organischen und vegetabilen Formen und Linien. Ihnen versteht sie oftmals erstaunliche Wechselspiele mit überwiegend erotischen Anklängen zu entlocken“ und „Indem sie variationsreiche, ästhetisch empfundene Analogien zwischen pflanzlichen und menschlichen „Sexualformen“ schafft, bereichert sie nicht nur das Spektrum europäischer Plastik, sondern auch die Tradition des Erotischen in der Kunst auf überraschend souveräne Weise.“

Der andere Weg geht von der Figur im Raum, wie bei. „Akt, die Leiter hochkletternd“, über den Raum mit Treppen und Leitern bis hin zu Arbeiten, die sich aus rein geometrischen Formen zusammensetzen. Bei diesen architektonischen Abstraktionen handelt es sich zum einen um Reliefs, deren Grundelemente ineinander verschachtelten Formen von Rechteck, Dreieck, Treppen und Stufen bilden, zum anderen um Vollplastiken, die meist auf der Grundform der Pyramide, komplexe Anordnungen von Stufen und Schrägen aufweisen.
Gerade die Vollplastiken bieten dabei eine Vielzahl verschiedener Ansichten, je nach Blickwinkel und Beleuchtung. Bei der Arbeit „Zwei architektonische Formen“ kommt noch die Beziehung der beiden Teile zueinander und die Form des sich dazwischen ergebenden Leerraums als Gestaltungselement hinzu.

Die hier aufgeführten Arbeitsbereiche sind nicht linear hintereinander angeordnet zu verstehen, sondern sie verhalten sich zueinander eher wie einander durchdringende Kreise und die grundsätzliche Formauffassung bleibt immer die gleiche. Bestimmte Formelemente von Stufungen und Überschneidungen finden sich nicht nur bei den architektonischen, sondern auch bei organischen Formen. Die charakteristischer Formauffassung, die auch noch im Kleinformat monumental wirkt, ist geprägt von Schwere und Volumen, Bei aller Komplexität bleibt doch eine Konzentration auf Grundformen, eine Strenge der Form, die sich auf das Wesentliche beschränkt.


Veröffentlicht in Babylon-Wunder, Wahn und Wirklichkeit, Kunstpreis der Bernd und Gisela Rosenheim-Stiftung 2016, ISBN 978-3-9813067-6-7


Interview mit Singulart, 2017